Liquidationswert

Der Liquidationswert ist der Wert, der bei geordneter oder erzwungener Verwertung der Vermögenswerte eines Unternehmens nach Abzug aller Verbindlichkeiten verbleibt. Im M&A-Kontext stellt er häufig eine Untergrenze der Bewertung dar, insbesondere bei Krisenfällen, Distressed M&A oder Unternehmen ohne tragfähige Fortführungsprognose und belastbaren Ertragswert.

Wann wird der Liquidationswert relevant?

Bei gesunden Unternehmen steht meist der Fortführungswert im Vordergrund. Der Liquidationswert wird relevant, wenn Ertragskraft fehlt, Insolvenz droht oder Käufer vor allem Vermögenswerte erwerben wollen.

Berechnung in der Praxis

Vermögenswerte werden zu realisierbaren Verwertungserlösen angesetzt. Davon werden Finanzschulden, Lieferantenverbindlichkeiten, Sozialplankosten, Steuern, Verwertungskosten und sonstige Verpflichtungen abgezogen.

Abgrenzung zum Going-Concern-Wert

Der Going-Concern-Wert unterstellt die Fortführung des Geschäfts und basiert auf künftigen Erträgen oder Cashflows. Der Liquidationswert ignoriert weitgehend künftige operative Chancen und fokussiert auf Verwertung.

Besonderheiten bei Softwareunternehmen

Bei Software- und IT-Unternehmen kann der Liquidationswert niedrig sein, wenn der Wert stark in Mitarbeitern, Kundenbeziehungen oder Code liegt, die ohne Fortführung schwer verwertbar sind.

FAQ

Ist der Liquidationswert immer niedriger als der Unternehmenswert?

Bei profitablen Unternehmen meist ja. In Krisenfällen kann er jedoch die realistischere Wertuntergrenze sein.

Wer nutzt den Liquidationswert?

Investoren, Insolvenzverwalter, Banken und Käufer in Distressed-M&A-Situationen.

Zählt Kundenstamm zum Liquidationswert?

Nur wenn er separat verwertbar ist und realistische Erlöse erwartet werden können.